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Zukunftsmusik

14. November 2026 18:30 Uhr
Ort: Landgasthof Riehen

Johannes Brahms: Schicksalslied
Anton Bruckner: Messe Nr. 3 f-Moll

Léonie Renaud - Sopran
Céline Akçağ - Alt
Ervin Ahmeti -Tenor
Iyad Dwaier - Bass 

Cantus Consort - Orchester

Olga Pavlu - Leitung

 

Anschliessend feiern wir unser 200-jähriges Chorjubiläum!

Für unser Jubiläumskonzert haben wir uns zwei Werke vorgenommen, die diesen feierlichen Moment der Dankbarkeit, der Achtung der Tradition wie all unserer Vorgänger gebührend würdigen. Denn beide sind kostbare Juwelen der Musikgeschichte und beide entstanden, als es die Vorgängerformation von unserem Cantus Basel schon gab.

Johannes Brahms: Schicksalslied, op. 54 
Anton Bruckner: Messe f-moll WAB 28

Johannes Brahms: Schicksalslied
Die ca. 18-minütige Komposition für Chor und Orchester hat Brahms 1871 komponiert.  Ideell und textlich basiert sie auf dem Gedicht von Friedrich Hölderlin (1770-1843) Hyperions Schicksalslied, welches als Teil seines Briefromans Hyperion oder Der Eremit in Griechenland 1799 erschien.
Der Zauber des Gedichts beruht auf dem Kontrast zweier Welten: der schicksalslosen Ruhe und seligen Heiterkeit der Götterwelt im pursten Kontrast zum Leiden des menschlichen Daseins.
Brahms löst diese Dualität des Bildes originell durch eine dreiteilige Form. Auf das Bild der ruhig zauberhaften, ewigen Götterwelt, die keinem Schicksal unterliegt, folgt die Schilderung der leidvoll dramatischen, schicksalsvollen wie vergänglichen Menschenwelt. Rein musikalisch, ohne Text, ohne Chor, kehrt nach dem schnellen, dramatischen Mittelteil die Musik der ewigen, harmonischen, langsamen Ruhe zurück. Nicht in Es-Dur wie am Anfang, nicht im dramatischen c-Moll des Mittelteils, sondern im strahlenden, erlösenden C-Dur, verklärt, um das durchlebte Drama reicher, nicht triumphierend laut, sondern leise, zart und dankbar, in höhere Sphären aufsteigend.
* (Text des Gedichts - s. unten)

Im Gegensatz zu Brahms fühlte sich Anton Bruckner (1824-1996) in seinem Schaffen der Vokalmusik weit weniger verpflichtet als der sinfonischen Musik, in deren Sparte er seinen Schaffensschwerpunkt sah.
Wenn er Vokalmusik komponierte, dann wiederum stark mit seiner Affinität zur geistlichen, katholisch geprägten Musik verbunden. 
Geboren im österreichischen Ansfelden wurde er mit 13 Jahren, nach dem frühen Tod seines Vaters, als Sängerknabe in das Stift St. Florian geschickt, wo strenge Disziplin nach katholischen Regeln herrschte. Dies prägte sein Privat- wie Berufsleben stark.
Er galt als sehr begabt, als Orgelvirtuose war er weltberühmt geworden. Im Jahr 1868 übersiedelte er aus Linz nach Wien, wo er eine Professur für Orgel und Musiktheorie erhielt. 
Seine eigentliche schöpferische, kompositorische Phase begann relativ spät, ab ca. 40 Jahren.
In diese Zeit der Arbeit an der 2. Sinfonie fällt die Entstehung unserer f-moll Messe, seiner grössten, ca. 60-minütigen Messekomposition. 
Seine erste Messe (d-Moll, 1864) wurde noch in Linz uraufgeführt. Nach der ersten Aufführung in Wien (1867) war sie so erfolgreich, dass Bruckner einen weiteren Kompositionsauftrag erhielt, worauf er noch zwei weitere Messen schrieb.
Die zweite Messe (e-Moll, 1866) ist für 8-stimmigen Chor und Blechbläser konzipiert.
Die folgende, seine dritte Messe (f-Moll, 1867/68), in der 4 Solostimmen und Sinfonieorchester vorgesehen sind, galt jedoch anfangs als unspielbar und wurde nach einem gescheitertem Aufführungsversuch an Bruckner zur Überarbeitung zurückgegeben. Daraufhin hat es Bruckner selber in die Hand genommen und drei Jahre später die Uraufführung selbst einstudiert, dirigiert und bezahlt. Dies jedoch nicht nach seinem Wunsch in der Hofburgkapelle, sondern in der Augustinerkirche.
Konzeptionell knüpft Bruckner in seiner Messekomposition natürlich an seine Wiener Vorgänger und Vorbilder Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert an. Seine Originalität besteht jedoch darin, dass er auf eine geniale Art die ganze musikalisch-liturgische Vorgeschichte (Gregorianik, Renaissance- wie Barockpolyphonie und Kontrapunkt Prinzipien) reflektiert und mit seinem grossartigen sinfonischen Gestus, seinem Kompositionsschwerpunkt, verbindet.
Sie zeugt zugleich von innigem Glauben und Demut, einer unveränderbaren Konstante in Bruckners Leben, sowie seiner allmählichen Umkehr zur Unabhängigkeit vom kirchlichen Text zur rein sinfonischen Sprache, die in seinem späteren Schaffen dominierte. 
Unabhängig, unbeirrt auf seinem persönlichen Weg schreitend, verfolgt Bruckner nicht etwa die damals modernen Programmmusik-Prinzipien (Berlioz), Opernreformen (Wagner) oder romantische egozentrische Spiegelung der eigenen seelischen Verfassung und Regungen. Er komponiert nicht sein Leben, er sucht nach einer musikalischen Sprache, die für sich, eigenständig, absolut dasteht und besteht.


*  
Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten.

Schicksallos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
In bescheidener Knospe,
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit.

Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab. 

Olga Pavlu